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Im Hinblick auf das Thema der Internationalen Woche für das Stillen 2009:
„Stillen ist lebenswichtig! Bist du dabei?“
Wenn Babys und ihre Mütter durch Naturkatastrophen, Krieg oder politische Missstände in Situationen geraten, die ihre Lebensumstände plötzlich und dramatisch verändern, dann sollte es für alle kristallklar sein, dass Babys am besten geschützt werden können, wenn sie gestillt werden. Kinder sind diejenigen, die in Krisensituationen am verletzlichsten sind – die Kindersterblichkeit kann auf Grund von Durchfall, Atemwegserkrankungen und Mangelernährung um das zwei- bis 70-fache des Durchschnitts ansteigen.
80% der Flüchtlinge weltweit sind Frauen und Kinder. Gerade in Krisensituationen ist Stillen enorm wichtig. |

Bild vom Hochwasser in St. Pölten im Juli 2009 (c) APA |
Was geschieht aber in der Realität? „Hilfe“ kommt in Form von tonnenweise Babynahrung, Flaschen und Saugern – es wird gar nicht gefragt, ob die Babys gestillt werden. Solche Spenden von Regierungen, Hilfsorganisationen und kirchlichen Einrichtungen sind gut gemeint, kommen aber durch eine Kombination von mangelhaftem Wissen über das Stillen und dem fehlenden aktiven Schutz des Stillens zustande. Außerdem herrscht die Meinung vor, dass Frauen unter Stress nicht stillen können und dass sie nicht genug Milch haben oder dass ihre Milch nicht nahrhaft genug sei, wenn sie selber mangelernährt sind.
Dass Babynahrungsfirmen spenden ist wohl eher durch Selbstinteresse motiviert.
Auch in Oberösterreich hat eine vom letzten Hochwasser betroffene Mutter erzählt, dass sie ungefragt Babynahrung erhalten habe, obwohl ihr kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung gestanden sei.
Diese Spenden führen dann dazu, dass Frauen, die in eine solch bedrohliche Situation geraten, verunsichert werden und wirklich dankbar zur Babynahrung greifen, auch wenn sie vielleicht den Text auf den Packungen gar nicht lesen und verstehen können und/oder ohne die hygienischen Anforderungen zu kennen bzw. erfüllen zu können.
Ammen als Alternative?
Immer wieder gibt es in Notsituationen auch den Einsatz von Ammen. Bereits im Vietnamkrieg in den 60er Jahren wurde diese Strategie erfolgreich angewendet. 2007 in Bangladesch wurden einige stillende Mütter in Flüchtlingslagern gebeten, zusätzlich ein Waisenbaby 6-8 Mal täglich zu stillen. Dafür haben sie etwas mehr Lebensmittel bekommen.
Heuer konnte man in Zeitungen lesen, dass verängstigte Mütter in China Ammen für ihre Babys gesucht haben und bereit waren, viel Geld dafür zu bezahlen, nachdem Babys an der vergifteten Babynahrung erkrankt und sogar verstorben waren.
Elizabeth Hormann IBCLC war nach dem Kosovokrieg im Auftrag der WHO 7 Monate als Säuglingsernährungsberaterin für den Balkan im Kosovo und Mazedonien und hat versucht, Kolleginnen dort zu helfen, Müttern und Babys adäquate Hilfe zum Stillen geben zu können. Sie war damals auch Mitglied im ILCA-Vorstand, dem internationalen Berufsverband für Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC. Sie wurde mit dem Entwurf eines Grundsatzpapiers beauftragt zum Thema „Säuglingsernährung in Notfall- und Krisensituationen“. Ziel dieser Erklärung war es, die verantwortlichen Leute für die Wichtigkeit des Stillens zu sensibilisieren und praktische Maßnahmen vorzuschlagen, die die Aufrechterhaltung des Stillens ermöglichen können. http:www.ilca.org/infantFeeding-EmergPP.pdf
Im Internet findet sich eine Empfehlung der UNHCR über „Flüchtlingskinder – Richtlinien zu ihrem Schutz und ihrer Betreuung“. Auch darin wird dezidiert auf die Wichtigkeit des Stillens besonders für diese Kinder hingewiesen und es finden sich klare Empfehlungen zur Förderung des Stillens für Mütter und Kinder in Krisensituationen und dem sehr kritischen Umgang mit Säuglingsnahrung. http://www.unhcr.de/fileadmin/unhcr_data/pdfs/rechtsinformation
Wie Flüchtlingsfrauen und Asylwerberinnen mit Babys die Situation in Österreich erleben
Elisabeth Auzinger, IBCLC und langjährige Mitarbeiterin der Eltern- und Mutterberatung in Linz trifft diese Frauen häufig in den Beratungsstellen, da alle Mütter, die in Linz gemeldet sind, nach der Geburt eine Einladung für die Mutterberatung erhalten und auch die Nummer der Stillhotline, die von Angela Cevallos Selgrad, IBCLC betreut wird. Diese Einladungen gibt es mehrsprachig in englisch, französisch, türkisch, russisch und serbokroatisch. So treffen sich Frauen aus den verschiedensten Ländern bei der Eltern- Mutter-Beratung, sie kommen ins Gespräch, sie bilden Gruppen und helfen und unterstützen sich auch gegenseitig.
Hilfsangebote werden von stillenden Frauen teils als Kritik erlebt
Natürlich ist die Sprachbarriere eine Schwierigkeit, aber Frau Auzinger beobachtet, dass diese Frauen sehr wohl stillen, viele auch recht lange, da die meisten das Stillen aus ihrem Land als Gegebenheit mitbringen. Gerade Frauen aus Afrika stillen sehr gern, aber auch aus Osteuropa. Allerdings ist es nicht immer einfach für die Mütter, Hilfsangebote anzunehmen. Sie sind durch ihre häufig traumatischen Erfahrungen gewohnt, kämpfen zu müssen, allein zu sein. Manche sehen die Hilfsangebote als Kritik an ihrem Handeln. Der beste Weg, damit die Hilfe auch angenommen wird, ist Empathie und Wertschätzung.
Die Gesetzeslage in Österreich ermöglicht es sogar, dass Frauen mit einem anerkannten Flüchtlingsstatus Kindergeld bekommen, was natürlich eine große Hilfe ist. Niemals darf vergessen werden, welche riesige Strapazen und körperliche und seelische Belastungen solche Familien hinter sich haben, bis sie in einem sicheren Land angekommen sind oder bis sie Hilfe erhalten nach einer Katastrophe. Da bedeutet das Stillen ein Stück Normalität und Sicherheit, oft auch Verbindung mit ihrer Heimat.
Für alle, die mit solchen Frauen arbeiten, gibt es bei der LLL (www.lalecheliga.at) und der Australian Breastfeeding Association (ABA - www.breastfeeding.asn.au) viele Infobroschüren dazu in unterschiedlichen Sprachen
Isolde Seiringer
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