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Die Zusatzqualifikation ermöglicht es, dass IBCLCs
interdisziplinär über eine hochwertige gemeinsame
Wissensbasis zum Thema Stillen und Laktation verfügen.
IBCLCs haben eine umfassende Weiterbildung sowohl im theoretischen als
auch im praktischen Bereich absolviert, den Abschluss bildet ein
internationales Examen, das von einer Expertengruppe auf dem Gebiet des
Stillens aus verschiedenen Gesundheitsberufen abgenommen wird.
siehe auch u. a. folgende Texte:
Um überhaupt zum Examen zugelassen zu werden, müssen
AnwärterInnen über eine abgeschlossene Berufsausbildung in
einem medizinisch / pflegerischen Beruf verfügen und im Bereich
Mutter-Kind-Gesundheit / Pflege arbeiten wobei sie
Stillberatungstätigkeit im Ausmaß von mindestens 1000
Stunden (in den letzten 5 Jahren) nachweisen müssen. In
Österreich wird die Ausbildung vom Europäischen Institut
für Stillen und Laktation im Ausmaß von 180 bis 210
Weiterbildungsstunden angeboten. Inkludiert sind (Stand Nov 2010) ein 40-stündiges
Praktikum, um Stillberatung auch in anderen Arbeitsfeldern sowie in der
Stillgruppe kennen zu lernen und eine Facharbeit, die eine vertiefte
selbständige Auseinandersetzung mit einem Teilbereich der
Stillberatung ermöglicht.
Für AnwärterInnen mit entsprechender akademischer Vorbildung
besteht die Möglichkeit, an einem Kompaktkurs mit kürzerer
Laufzeit teilzunehmen. Ab dem Jahr 2012 werden vom IBLCE (mehr) Board
(Organisation welche die Examen organisiert) hier mindestens 90 Stunden
Fortbildung gefordert.
Der Titel „IBCLC“ wird für jeweils 5 Jahre vergeben.
Das Weiterführen des Titels ist an strenge
Fortbildungsverpflichtungen gebunden: 75 Stunden Fortbildung
innerhalb von 5 Jahren und Rezertifizierung durch Examen nach 10 Jahren
stellen sicher, dass die fachliche Kompetenz von IBCLCs erhalten
bleibt. Forschungsergebnisse haben gezeigt dass diese Anforderungen die
berufliche Kompetenz auf ideale Weise sicherstellen.
Kompetenz der IBCLC
Stillen ist ein komplexer Vorgang - gibt es Probleme, werden viele
Fachbereiche gestreift: Kinderheilkunde, Frauenheilkunde und
Geburtshilfe, Ernährungslehre, Psychologie, Logopädie,
Endokrinologie, aber auch Anästhesie, Pharmakologie, Zahn- und
Kieferheilkunde und mehr.
Jedes Fachgebiet kann nur einen kleinen Teil der Stillbeziehung
beleuchten, die IBCLC jedoch stellt das Bindeglied zwischen den
einzelnen Disziplinen dar. Durch diese interdisziplinäre Sicht
können unter Umständen die Ursachen von Stillproblemen
rascher erfasst und effektiv behoben werden, oder noch besser durch
entsprechende Information und Aufklärung ganz und gar verhindert
werden.
Die Arbeit der IBCLC basiert auf wissenschaftlich fundierten Fakten.
Neben der üblichen Beratung und Begleitung von Eltern-Kind-Paaren
erarbeitet die IBCLC in schwierigen oder problematischen Situationen
(wie Frühgeburtlichkeit, Erkrankungen von Mutter und/oder Kind,
Mehrlingsgeburt, mangelnde Gewichtszunahme etc.) begleitend zur
medizinischen Betreuung ein individuelles Konzept, welches das Stillen
und die Ernährung mit Muttermilch weitgehend unterstützt. Die
Eltern-Kind-Bindung und die emotionale Begleitung hat hierbei immer den
größten Stellenwert.
IBCLCs arbeiten im Krankenhaus auf geburtshilflichen oder
neonatologischen Abteilungen, im Kreiszimmer oder in der
Milchküche, auch in Arztpraxen, in der Mutterberatung und in
Ambulanzen wird ihr kompetentes Stillwissen gebraucht. In freier Praxis
bieten Still- und Laktationsberaterinnen Beratungsgespräche,
Hausbesuche, Stillvorbereitung in der Schwangerschaft oder Stillgruppen
an.
Die Arbeit einer Still- und Laktationsberaterin umfasst ebenso
Fortbildungsmaßnahmen für KollegInnen auf der eigenen
Station, im eigenen Krankenhaus, oder für andere Fachpersonen aus
anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.
IBCLCs sind ebenso AnsprechpartnerInnen, wenn Gesundheitseinrichtungen
stillfördernde Maßnahmen in Angriff nehmen, wie z.B.: die
Erstellung von Stillstandards oder die Umsetzung des Konzeptes
„Babyfriendly Hospital“ (BFHI - siehe auch hier).
Ethische Leitlinien für die IBCLC
Still- und LaktationsberaterInnen unterliegen strengen ethischen
Regeln. Um die Qualität der Stillberatung auf einem einheitlich
hohen Standard zu halten und Interessenskonflikte zu vermeiden
verpflichtet man/frau sich mit dem Ablegen des Examens, den
„Kodex der Ethik für IBCLCs“ (Link zur deutschsprachigen Fassung als pdf) einzuhalten. Diese
Prinzipien leiten den Beruf und beschreiben die Verpflichtungen der
Laktationsberaterinnen gegenüber sich selbst, KlientInnen,
KollegInnen, Gesellschaft und dem Beruf als solchen. Hier ist z.B.
festgehalten, dass die Praxis auf wissenschaftlichen Prinzipien,
aktuellen Forschungsergebnissen und Informationen beruhen muss. Oder
dass die Öffentlichkeit und der Kollegenkreis über angebotene
Dienstleistungen informiert werden müssen, und dass KlientInnen
ausreichende Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit
diese eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können.
Weiter verpflichtet sich die IBCLC, den „Kodex zur Vermarktung
von Muttermilchersatzprodukten“ (mehr) und seine Resolutionen
einzuhalten.
IBCLC international und national
Weltweit gibt es ca. 23.000 Still- und Laktationsberaterinnen in 80 verschiedenen Ländern (Stand November 2010).
Das erste Examen wurde nur in Englisch abgehalten, mittlerweile kann
das Examen in verschiedenen anderen Sprachen - natürlich auch in
Deutsch - abgelegt werden.
In Österreich tragen ca. 380 Personen den Titel IBCLC - und es
kommen jedes Jahr neue dazu. Die erste IBCLC Österreichs (Gabriele
Nindl) hat 1990 Jahren ihr erstes Examen abgelegt.
Der EU-Aktionsplan für Schutz, Förderung und
Unterstützung des Stillens in Europa (mehr) empfiehlt allen, die
stillende Mütter beraten, nach Abschluss einer umfassenden
Weiterbildung ihr Wissen und ihre Fähigkeiten durch Ablegen des
IBLCE-Examens zu bestätigen.
Der Frage, wie sie ihr Kind nach der Geburt ernährt, muss sich
jede Mutter stellen. Aktuelle Studien bestätigen, dass die meisten
Frauen ihr Baby stillen möchten. Viele Spitäler reagierten in
den letzten Jahren auf das Bedürfnis von Müttern nach guter
Beratung und Unterstützung, indem sie das gesamte Personal
geschult haben oder räumliche und organisatorische
Veränderungen den Anforderungen der stillenden Mutter angepasst
haben.
Auch Eltern wünschen sich IBCLCs
Die Bezeichnung IBCLC wird auch Eltern immer geläufiger und
bereits bei der Entscheidung für die Geburtsklinik,
spätestens bei auftretenden Problemen fragen manche gezielt nach
dieser.
Jede Abteilung, jede Gesundheitseinrichtung sollte mit Stolz auf die
qualitativ hochwertige, evidenzbasierte Betreuung durch die IBCLC
verweisen. Die Etablierung eines Dienstpostens für Stillberatung
kann die Zufriedenheit der PatientInnen steigern und andere
Berufsgruppen entlasten.
In den skandinavischen Ländern konnte nachgewiesen werden, dass
gute Information kombiniert mit individueller Beratung und Begleitung
durch die gesamte Zeit der Stillbeziehung die Stilldauer und
Stillzufriedenheit optimal fördert.
Andrea Hemmelmayr, IBCLC
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