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    IBCLC: International anerkannte und bewährte Qualifikation
 

Als in den 70iger Jahren die Flaschenfütterung nahezu vollständig das Stillen abgelöst hatte, entstanden als Reaktion auf die fehlende professionelle Unterstützung die ersten Selbsthilfegruppen stillender Mütter.  Um dem sich entwickelnden Wissen die nötige Anerkennung und Kompetenz auch im medizinischen Bereich zu verschaffen, wurde 1985 der Titel „Intenational Board Certified Lactation Consultant (IBCLC) eingeführt.
Still- und LaktationsberaterInnen IBCLC  kommen aus verschiedenen Sparten des Gesundheitswesens. Die jeweiligen Fachausbildungen des Gesundheitspersonals (Hebammen, Krankenschwestern, ÄrztInnen) beinhalten oft zu wenig praktische Informationen und noch weniger wissenschaftlichen Hintergrund zum Problemkreis Stillen und Laktation.



Die Zusatzqualifikation ermöglicht es, dass IBCLCs interdisziplinär über eine hochwertige gemeinsame Wissensbasis zum Thema Stillen und Laktation verfügen.
IBCLCs haben eine umfassende Weiterbildung sowohl im theoretischen als auch im praktischen Bereich absolviert, den Abschluss bildet ein internationales Examen, das von einer Expertengruppe auf dem Gebiet des Stillens aus verschiedenen Gesundheitsberufen abgenommen wird. 

siehe auch u. a. folgende Texte:

Um überhaupt zum Examen zugelassen zu werden, müssen AnwärterInnen über eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinisch / pflegerischen Beruf verfügen und im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit / Pflege arbeiten wobei sie Stillberatungstätigkeit im Ausmaß von mindestens 1000 Stunden (in den letzten 5 Jahren) nachweisen müssen. In Österreich wird die Ausbildung vom Europäischen Institut für Stillen und Laktation im Ausmaß von 180 bis 210 Weiterbildungsstunden angeboten. Inkludiert sind (Stand Nov 2010) ein 40-stündiges Praktikum, um Stillberatung auch in anderen Arbeitsfeldern sowie in der Stillgruppe kennen zu lernen und eine Facharbeit, die eine vertiefte selbständige Auseinandersetzung mit einem Teilbereich der Stillberatung ermöglicht.
Für AnwärterInnen mit entsprechender akademischer Vorbildung besteht die Möglichkeit, an einem Kompaktkurs mit kürzerer Laufzeit teilzunehmen. Ab dem Jahr 2012 werden vom IBLCE (mehr) Board (Organisation welche die Examen organisiert) hier mindestens 90 Stunden Fortbildung gefordert.
Der Titel „IBCLC“ wird für jeweils 5 Jahre vergeben. Das Weiterführen des Titels ist an strenge Fortbildungsverpflichtungen gebunden:  75 Stunden Fortbildung innerhalb von 5 Jahren und Rezertifizierung durch Examen nach 10 Jahren stellen sicher, dass die fachliche Kompetenz von IBCLCs erhalten bleibt. Forschungsergebnisse haben gezeigt dass diese Anforderungen die berufliche Kompetenz auf ideale Weise sicherstellen.

Kompetenz der IBCLC
Stillen ist ein komplexer Vorgang - gibt es Probleme, werden viele Fachbereiche gestreift: Kinderheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Ernährungslehre, Psychologie, Logopädie, Endokrinologie, aber auch Anästhesie, Pharmakologie, Zahn- und Kieferheilkunde und mehr.
Jedes Fachgebiet kann nur einen kleinen Teil der Stillbeziehung beleuchten, die IBCLC jedoch stellt das Bindeglied zwischen den einzelnen Disziplinen dar. Durch diese interdisziplinäre Sicht können unter Umständen die Ursachen von Stillproblemen rascher erfasst und effektiv behoben werden, oder noch besser durch entsprechende Information und Aufklärung ganz und gar verhindert werden.
Die Arbeit der IBCLC basiert auf wissenschaftlich fundierten Fakten.
Neben der üblichen Beratung und Begleitung von Eltern-Kind-Paaren erarbeitet die IBCLC in schwierigen oder problematischen Situationen (wie Frühgeburtlichkeit, Erkrankungen von Mutter und/oder Kind, Mehrlingsgeburt, mangelnde Gewichtszunahme etc.) begleitend zur medizinischen Betreuung ein individuelles Konzept, welches das Stillen und die Ernährung mit Muttermilch weitgehend unterstützt. Die Eltern-Kind-Bindung und die emotionale Begleitung hat hierbei immer den größten Stellenwert.
IBCLCs arbeiten im Krankenhaus auf geburtshilflichen oder neonatologischen Abteilungen, im Kreiszimmer oder in der Milchküche, auch in Arztpraxen, in der Mutterberatung und in Ambulanzen wird ihr kompetentes Stillwissen gebraucht. In freier Praxis bieten Still- und Laktationsberaterinnen  Beratungsgespräche, Hausbesuche, Stillvorbereitung in der Schwangerschaft oder Stillgruppen an.
Die Arbeit einer Still- und Laktationsberaterin umfasst ebenso Fortbildungsmaßnahmen  für KollegInnen auf der eigenen Station, im eigenen Krankenhaus, oder für andere Fachpersonen aus anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen.
IBCLCs sind ebenso AnsprechpartnerInnen, wenn Gesundheitseinrichtungen stillfördernde Maßnahmen in Angriff nehmen, wie z.B.: die Erstellung von Stillstandards oder die Umsetzung des Konzeptes „Babyfriendly Hospital“ (BFHI - siehe auch hier).

Ethische Leitlinien für die IBCLC
Still- und LaktationsberaterInnen unterliegen strengen ethischen Regeln. Um die Qualität der Stillberatung auf einem einheitlich hohen Standard zu halten und Interessenskonflikte zu vermeiden verpflichtet man/frau sich mit dem Ablegen des Examens, den „Kodex der Ethik für IBCLCs“ (Link zur deutschsprachigen Fassung als pdf) einzuhalten. Diese Prinzipien leiten den Beruf und beschreiben die Verpflichtungen der Laktationsberaterinnen gegenüber sich selbst, KlientInnen, KollegInnen, Gesellschaft und dem Beruf als solchen. Hier ist z.B. festgehalten, dass die Praxis auf wissenschaftlichen Prinzipien, aktuellen Forschungsergebnissen und Informationen beruhen muss. Oder dass die Öffentlichkeit und der Kollegenkreis über angebotene Dienstleistungen informiert werden müssen, und dass KlientInnen ausreichende Informationen zur Verfügung gestellt werden, damit diese eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können.
Weiter verpflichtet sich die IBCLC, den „Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten“ (mehr) und seine Resolutionen einzuhalten.

IBCLC international und national
Weltweit gibt es ca. 23.000 Still- und Laktationsberaterinnen in 80 verschiedenen Ländern (Stand November 2010).
Das erste Examen wurde nur in Englisch abgehalten, mittlerweile kann das Examen in verschiedenen anderen Sprachen - natürlich auch in Deutsch - abgelegt werden.
In Österreich tragen ca. 380 Personen den Titel IBCLC - und es kommen jedes Jahr neue dazu. Die erste IBCLC Österreichs (Gabriele Nindl) hat 1990 Jahren ihr erstes Examen abgelegt.
Der EU-Aktionsplan für Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens in Europa (mehr) empfiehlt allen, die stillende Mütter beraten, nach Abschluss einer umfassenden Weiterbildung ihr Wissen und ihre Fähigkeiten durch Ablegen des IBLCE-Examens zu bestätigen.
Der Frage, wie sie ihr Kind nach der Geburt ernährt, muss sich jede Mutter stellen. Aktuelle Studien bestätigen, dass die meisten Frauen ihr Baby stillen möchten. Viele Spitäler reagierten in den letzten Jahren auf das Bedürfnis von Müttern nach guter Beratung und Unterstützung, indem sie das gesamte Personal geschult haben oder räumliche und organisatorische Veränderungen den Anforderungen der stillenden Mutter angepasst haben.

Auch Eltern wünschen sich IBCLCs
Die Bezeichnung IBCLC wird auch Eltern immer geläufiger und bereits bei der Entscheidung für die Geburtsklinik, spätestens bei auftretenden Problemen fragen manche gezielt nach dieser.
Jede Abteilung, jede Gesundheitseinrichtung sollte mit Stolz auf die qualitativ hochwertige, evidenzbasierte Betreuung durch die IBCLC verweisen. Die Etablierung eines Dienstpostens für Stillberatung kann die Zufriedenheit der PatientInnen steigern und andere Berufsgruppen entlasten.
In den skandinavischen Ländern konnte nachgewiesen werden, dass gute Information kombiniert mit individueller Beratung und Begleitung durch die gesamte Zeit der Stillbeziehung  die Stilldauer und Stillzufriedenheit optimal fördert.

Andrea Hemmelmayr, IBCLC