| Stillen
und Muttermilch bieten viele Vorteile gegenüber jeder Flaschennahrung,
doch dieses Wissen musste erst wieder erarbeitet werden. Die gängige
Praxis, die jahrzehntelang in den meisten Krankenhäusern
an der Tagesordnung war - und leider teilweise noch ist -, ist
für das Stillen hemmend. Natürlich haben sich Hebammen
und Pflegende immer um das Wohl von Müttern und Kindern bemüht,
aber die Wertigkeiten haben sich verschoben mit dem neuen Wissen
um das Stillen. Es lohnt sich für alle Beteiligten, den Einsatz
für das Stillen zu optimieren.
Kompetenzen ergänzen
Statt sich zu ärgern über die „Besserwisserinnen"
gibt es einen sicheren Weg, dahinter zu kommen, was das Wissen
der Stillberaterinnen ausmacht: Melden Sie sich an zu einem
der Seminare des VELB, die in Zusammenarbeit mit dem VSLÖ
angeboten werden. Neben der Seminarreihe zur Vorbereitung auf
das IBLCE-Examen gibt es die Basis-Seminare, das Grundlagen-Seminar
und als besonderes Angebot für Ärztinnen und Ärzte
die Ärzte-Seminare. In der Steiermark hat sich die KAGES
entschlossen, ein Basisseminar für alle MitarbeiterInnen
zu organisieren -
dazu ein Rückblick.
Basiswissen über die Stillzeit
In den Basis-Seminaren erhalten Sie grundlegendes Wissen von
der Vorbereitung auf das Stillen über Anatomie und Physiologie,
dem Stillbeginn, den Stillschwierigkeiten, dem Stillen von kranken
oder behinderten Kindern, der Zeit zu Hause, der Beikost bis
zum Abstillen. Also ein Bogen von Basiswissen über die
gesamte Stillzeit. Dazu kommen Fallbeispiele aus der Praxis.
Basis-Seminare dauern drei Mal zwei Tage. Der Inhalt umfasst
alle Belange der Personalschulung im Rahmen der WHO/UNICEF Initiative
„Stillfreundliches Krankenhaus" und kann als solche
angerechnet werden.
Renate Gamweger, DKKS in Graz beschreibt ihre Eindrücke
vom Basis-Seminar:
„Hilfreiche praxisbezogenen Vorträge; keine „militante"
Vorgabe bestimmter Vorgänge; Pathologie der Brust verständlich
und nicht zu „hochmedizinisch" erklärt; eigene
Meinungen und Erfahrungen wurden akzeptiert; keine langatmigen
Erklärungen. Ich habe jetzt wesentlich mehr Sicherheit
im Umgang mit Frauen und dem Thema „Brust und Stillen".
Das Basis-Seminar sollte für alle, die auf einer geburtshilflichen
Station arbeiten, verpflichtend sein, dann wäre die Kommunikation
im Team wesentlich einfacher.
Begleitung nach der Geburt
Beim Grundlagen-Seminar wird vor allem auf die Stillbegleitung
in den ersten Tagen im Krankenhaus der Schwerpunkt gelegt, dazu
kommen die anatomischen und physiologischen Grundlagen des Stillens
sowie grundlegende Beratungsstrategien und Kommunikationstechniken.
Das Grundlagen-Seminar dauert einmalig vier Tage.
Speziell für Ärztinnen und
Ärzte
Die eintägigen Ärzte-Seminare bieten Evidenz basierte
Medizin zum Thema Laktation und Stillen und gehen schwerpunktmäßig
auf die Themen ein, mit denen Ärzte in Klinik und Praxis
immer wieder konfrontiert werden wie:
Physiologie der Laktation, Probleme der ersten Wochen, Hypoglykämie
und Hyperbilirubinämie, Frühgeborene und kranke Kinder,
Probleme der Brust, Erkrankungen und Medikamente in der Stillzeit
und Abstillen.
Ass. Dr. Irina Grigorow, Kinderärztin LKH Leoben schreibt:
„Der Besuch des Basis-Seminars war eine sehr wertvolle
Ergänzung in Praxis und Theorie zu meiner Pädiatrieausbildung.
Ich habe als Ärztin bedeutend mehr Sicherheit im Umgang
mit stillenden Frauen und kann sie sicherer diesbezüglich
beraten. Die Tage waren motivierend, der Austausch mit anderen
Berufsgruppen interessant, einige Vortragsthemen extrem bereichernd.
Der Kurs zeichnet sich insgesamt durch seine hohe Qualität
aus, ich werde ihn KollegInnen gerne weiter empfehlen."
(
Weitere
Infos zu den aktuellen Seminare für Ärzte & Ärztinnen)
Weiter zur/zum IBCLC
Nach jedem abgeschlossenen Seminar haben Sie die Möglichkeit,
in das „Seminar 2" der VELB-Seminarreihe zur Vorbereitung
auf das IBLCE-Examen einzusteigen.
Die Zusatzqualifikation Still- und LaktationsberaterIn IBCLC
ist seit vielen Jahren weltweit anerkannt. Ihr hoher Standard
wird zusätzlich durch eine kontunierliche Weiterbildung
zu den Themen Stillen und Stillberatung sicher gestellt.
Stillförderung bedeutet auch, dass die Träger oder
Leitungen der Spitäler den Zugang zu diesen Fortbildungsangeboten
finanziell und strukturell unterstützen. Dies gilt genauso
für den niedergelassenen Bereich, wo eine Förderung
durch die öffentliche Hand wichtig wäre.
Isolde Seiringer, IBCLC |