Das zu kurze Zungenband: Vor- und Nachsorge bei einer Frenotomie

Das Zungenband ist eine anatomische Struktur an der Unterseite der Zunge, die sehr individuell ausgeprägt ist und bei manchen Menschen Probleme bereiten kann.

Ein zu kurzes Zungenband kann die Beweglichkeit der Zunge einschränken und dadurch das Stillen, Trinken oder Essen erschweren. Nicht jedes auffällige oder kurz erscheinende Zungenband verursacht jedoch Beschwerden und muss behandelt werden. Entscheidend ist immer die Funktion der Zunge, nicht allein ihr Aussehen.

WIE WIRD das zu kurze Zungenband BEHANDELT?

Vor einer Behandlung sollte die gesamte Situation beurteilt werden. Dazu gehören insbesondere das Stillen oder Füttern, der Milchtransfer, die Gewichtsentwicklung des Kindes, mögliche Schmerzen sowie die Beweglichkeit der Zunge.

Dabei arbeiten je nach Situation unterschiedliche Berufsgruppen zusammen:

  • Ein:e Still- und Laktationsberater:in oder Hebamme für die Begleitung beim Stillen und Füttern,
  • eine erfahrene Ärztin oder ein erfahrener Arzt für die medizinische Beurteilung und Behandlung,
  • bei älteren Kindern oder besonderen Schwierigkeiten gegebenenfalls Logopädie oder andere spezialisierte Fachpersonen.

Zur Durchtrennung (Frenotomie) eines zu kurzen Zungenbandes gibt es unterschiedliche Verfahren. Sie kann beispielsweise mit einer Schere beziehungsweise einem Skalpell oder mit einem Laser erfolgen. Bei älteren Kindern kann in ausgewählten Fällen ein größerer operativer Eingriff mit Nähten notwendig sein. Keine Methode ist automatisch für jedes Kind die beste. Entscheidend sind die richtige Indikation, die Erfahrung der behandelnden Person sowie eine gute Vor- und Nachbetreuung.

Nach dem Eingriff sollten das Stillen oder Füttern weiter begleitet, die Wundheilung kontrolliert und bei Bedarf sanfte Übungen individuell erklärt werden. Eltern sollten sich deshalb vor einer Behandlung ausführlich beraten lassen und ein Zungenband nicht allein aufgrund seines Aussehens durchtrennen lassen.

Bei Still- oder Fütterproblemen kann eine Stillberatung frühzeitig und niederschwellig in Anspruch genommen werden. Ausgebildete und interdisziplinär vernetzte Still- und Laktationsberater:innen IBCLC unterstützen Familien bei der Beurteilung und Verbesserung der Still- oder Füttersituation und können bei auffälligen Befunden eine ärztliche Abklärung empfehlen. Ob ein zu kurzes Zungenband medizinisch relevant ist und ob eine Behandlung sinnvoll ist, sollte immer gemeinsam mit einer entsprechend erfahrenen Ärztin oder einem entsprechend erfahrenen Arzt beurteilt werden.

Die weitere Begleitung erfolgt idealerweise in enger Abstimmung zwischen Familie, ärztlichem Personal und Stillberatung.