News Sommer 2018

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© Jenny Wagner

Mütter, die ausschließlich stillen, sind fast immer zufriedene, ausgeglichene Frauen. Sie sind auch manchmal müde und erschöpft und trotzdem gehört ihre Aufmerksamkeit die meiste Zeit ihrem Baby. Für andere mag das so wirken, als ob sie sich für ihr Kind aufopfern und auf alles andere verzichten würden. In Wirklichkeit muss man allerdings anerkennen, dass diese Familien das Beste für die Gesundheit und Entwicklung ihrer Kinder tun!

Für viele Paare gehört es dazu, ein Baby zu bekommen und eine Familie zu gründen. Die Aufgabenverteilung für Erziehung, Haushalt und Geldverdienen hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt und damit auch die Vorstellung von einem guten Leben. Wenn nach dem Wichtigsten im Leben gefragt wird, kommt wahrscheinlich am häufigsten die Antwort „Gesundheit“. Und damit sind wir schon wieder beim Thema: Stillen ist die effektivste und preiswerteste Gesundheitsvorsorge. Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten wird von der WHO empfohlen. Dieses Bewusstsein ist in unserer Gesellschaft viel zu wenig vorhanden. Leider wird Wissen über das Stillen in den Ausbildungen zu den verschiedenen Gesundheitsberufen zu wenig vermittelt. Denn erst, wenn man ausreichend darüber weiß, wird die Bedeutung der Muttermilch und deren Auswirkungen auf Bindung und das ganze Leben klar.

Es sollte selbstverständlich sein, dass wichtige Information von GynäkologInnen, Hebammen, KinderärzteInnen und KrankenpflegerInnen an werdende Mütter weitergegeben werden. Unterstützung stillender Mütter könnte dementsprechend etabliert werden und jede/r Einzelne in unserer Gesellschaft würde am Ende davon profitieren.

Für das Baby …
… haben Muttermilch und Stillen folgende Bedeutung:

  • Mit Muttermilch wird der Darm des Babys optimal auf alle Einflüsse des weiteren Lebens vorbereitet. Die Darmgesundheit wirkt sich auf den ganzen Körper nachhaltig aus. Gestillte Kinder erkranken später z. B. weniger an Adipositas oder Diabetes.
  • Muttermilch ist jederzeit und überall in der richtigen Temperatur verfügbar. Die für jedes Kind maßgeschneiderten Inhaltstoffe schützen vor Infektionen und Allergien. Beim Trinken an der Brust werden alle Sinne beansprucht und wird die Entwicklung des Kindes optimal gefördert.
  • Durch das Saugen an der Brust werden zahlreiche Muskeln im Mundund Kieferbereich verwendet. Dies hat großen Einfluss auf die Kieferund Zahngesundheit und damit auch auf die Sprachentwicklung.

Für die Mutter …
… hat das Stillen ebenso große Wichtigkeit:

  • Durch den Hautkontakt beim Stillen kommt es zur vermehrten Oxytocinausschüttung. Dadurch wird der Blutverlust nach der Geburt reduziert und der Uterus bildet sich schneller zurück.
  • Abhängig von der Stilldauer profitiert die Mutter gesundheitlich, z.b. wird das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs reduziert. Auch treten weniger Fälle von Typ-2-Diabetes auf und sinkt Risiko für Osteoporose und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Bedeutung für Mutter UND Kind

Die Bindung zwischen Mutter und Kind wird gefördert und gestärkt. Durch die Stillhormone wird das Verhalten der Mutter gegenüber ihrem Kind beeinflusst. Die anstrengende Zeit nach der Geburt lässt sich leichter bewältigen. Es treten weniger Depressionen auf. Dies bewirkt auch, dass später weniger Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden.

Bedeutung für die Gesellschaft

Die Kosten für suboptimales Stillen wurden von Bartick et al. 2014 in den USA eingeschätzt:

  • 3 Milliarden US$ für medizinische Gesamtkosten
  • 1,3 Milliarden US$ für nicht-medizinische Kosten
  • 4,2 Milliarden US$ für gesellschaftliche Kosten vorzeitiger Todesfälle

Die ökologischen Kosten des Nichtstillens sind nicht zu unterschätzen. Formulanahrung hinterlässt einen großen ökologischen Fußabdruck – sie benötigt Energie zur Herstellung, sowie Wasser, Verpackungsmaterial und Treibstoff für die Auslieferung. In den USA wird geschätzt, dass für 1 Liter Formulanahrung 4.000 Liter Wasser verbraucht werden. Für die Verpackung werden 550 Millionen Dosen, 86.000 Tonnen Metall und 364.000 Tonnen Papier verbraucht – alles landet nach dem Gebrauch im Müll.

Es gibt viele wissenschaftliche Beweise für die positiven Effekte des Stillens und es wird laufend weiter geforscht. Aber auch das Wissen darüber, dass die Menschheit ohne Stillen nicht überlebt hätte, sollte Anlass geben, Prioritäten zu setzen, um das Stillen in der Gesellschaft selbstverständlich werden zu lassen.

Die Entscheidung zum Stillen fällt die Mutter. Dazu muss sie ausreichend informiert sein – hier sind alle gefordert, die Schwangere und Mütter betreuen. Aber auch die Gesundheits- und Bildungspolitik und die gesamte Gesellschaft stehen in der Verantwortung – das Thema Stillen betrifft alle.